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Mindesthaltbarkeitsdatum vs. Verbrauchsdatum

In Österreich werden jedes Jahr 760.000 Tonnen an Lebensmittel weggeworfen – gut die HĂ€lfte davon wĂ€re vermeidbar. Ein Grund fĂŒr diese immense Zahl ist zu wenig Wissen ĂŒber Lagerung und Haltbarkeit. Vielen Menschen ist beispielsweise der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum (kurz: MHD) und Verbrauchsdatum (kurz: VD) nicht bekannt oder bewusst, weswegen diese beiden Begriffe gleichgesetzt werden.

Das MHD ist allerdings kein Verfallsdatum, sondern vielmehr ein Marker, der anzeigt, bis zu welchem Datum das ungeöffnete Lebensmittel seine typischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch, Konsistenz, Farbe oder NĂ€hrwerte behalten sollte – sofern das Produkt richtig gelagert wurde. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist somit ein QualitĂ€tsdatum der Hersteller:innen und muss auch auf den Produkten angegeben werden. Dies ist durch die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung (LMKV) geregelt – einzige Ausnahme in Österreich sind alkoholische GetrĂ€nke aus Weintrauben mit unter 10% Alkohol. Sobald das MHD ĂŒberschritten wurde, bedeutet das also nicht automatisch, dass das Lebensmittel verdorben ist und weggeworfen werden muss! In den meisten FĂ€llen ist es noch einwandfrei und genießbar, was ganz einfach mittels eigener EinschĂ€tzung festgestellt werden kann. „Sehen, riechen, schmecken, statt nur das MHD zu checken“ wĂ€re hier ein angebrachtes Motto, um ein entsprechendes Urteil ĂŒber die Genießbarkeit der Lebensmittel zu fĂ€llen. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat sich 2018 diverse Lebensmittel und ihre Haltbarkeit nach Überschreitung des MHD angesehen und festgestellt, wie viel lĂ€nger die Produkte tatsĂ€chlich genießbar sind als angegeben:

  • Joghurt +270 Tage
  • RĂ€ucher-Tofu +182 Tage
  • Soja-Joghurt +152 Tage
  • Eier +84 Tage
  • Kuchen +70 Tage
  • Salami +70 Tage
  • KĂ€se +56 Tage
  • Sesamdip +14 Tage

Es gibt aber noch aktuellere Zahlen, Daten und Fakten, die eine lĂ€ngere Haltbarkeit der Lebensmittel belegen: FĂŒr die Juni 2020-Ausgabe hat sich das „Greenpeace Magazin“ das MHD der nachfolgenden Produkte genauer angeschaut und die Genießbarkeit nach Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatum getestet: So halten beispielsweise gekĂŒhlt gelagerte Eier ganze 112 Tage lĂ€nger als das MHD angibt. Eine Salami (sowohl die klassische als auch die vegane Version) hĂ€lt es 85 Tage lĂ€nger aus als angegeben, eingeschweißte Falafel-BĂ€llchen sind 49 Tage und eingeschweißte KĂ€sescheiben 22 Tage lĂ€nger genießbar. ZusĂ€tzlich analysierte Greenpeace weitere elf Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bereits seit Jahren ĂŒberschritten war, etwa eine seit ĂŒber acht Jahren abgelaufene Dose Erbsen. Alle elf Lebensmittel erzielten im Labortest „einwandfreie mikrobiologische Ergebnisse“.

Theoretisch dĂŒrfen SupermĂ€rkte Produkte nach Ablauf des MHD auch noch weiterhin verkaufen oder weitergeben, sofern sie sich von der QualitĂ€t der Lebensmittel ĂŒberzeugt haben und die Konsument:innen ĂŒber die Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatums aufklĂ€ren. Praktisch passiert dies aber so gut wie nie, wobei man festhalten muss, dass im Jahr 2013 soziale Einrichtungen in Österreich rund 11.000 Tonnen Lebensmittel ĂŒbernommen, verteilt oder verkauft haben. Die Waren, die dabei gespendet werden, sind fĂŒr SupermĂ€rkte oder HĂ€ndler:innen zwar nicht mehr verkaufsfĂ€hig, aber noch voll genussfĂ€hig. Mehr als die HĂ€lfte dieser Spenden kommt vom Lebensmittelhandel, die andere HĂ€lfte ergibt sich aus BĂ€ckereien, Großhandel, Produzent:innen, landwirtschaftliche Betriebe, MĂ€rkte und fallweise auch Privathaushalte. Diese Warenspenden ĂŒberschreiten allerdings kein Verbrauchsdatum; da sieht die Situation nĂ€mlich anders aus. Das Verbrauchsdatum oder Verfallsdatum (VD) ist in Verordnungen rechtlich vorgeschrieben und betrifft mikrobakteriell leicht verderbliche Ware, die nach Überschreitung des Datums nicht mehr als sicher angesehen werden kann. Der Zusatz „zu verbrauchen bis“ findet sich auf Produkten wie Frischfleisch, Rohmilch oder abgepackte Salate und ist auch von rechtlicher Bedeutung: Lebensmittel mit ĂŒberschrittenem Verbrauchsdatum dĂŒrfen nicht mehr verkauft beziehungsweise weitergegeben werden.

Lass’ dich also in Zukunft nicht von dem angegebenen Mindesthaltbarkeitsdatum abschrecken und wirf’ deine wertvollen Lebensmittel nicht weg, bevor du dich nicht selbst davon ĂŒberzeugt hast, dass sie nicht mehr genießbar sind. Kaufe zudem nicht zu viel auf einmal ein, das du nicht bald verzehren kannst, um so gar nicht erst in die Situation zu kommen, dass dir Lebensmittel schlecht werden und achte auf die richtige Lagerung, um möglichst lange etwas von deinen Zutaten zu haben. Hier haben wir ĂŒbrigens eine kleine Orientierungshilfe fĂŒr dich zusammengestellt: Lebensmittel richtig lagern | Das Gramm

Quellen Text:
wwf-infobroschuere_teller-statt-tonne.pdf
Lebensmittelverschwendung – Alle Infos – Welthungerhilfe
MHD – Mindesthaltbarkeitsdatum erklĂ€rt — SIRPLUS
Mindesthaltbarkeitsdatum (greenpeace.at)
Test: So lange halten Lebensmittel wirklich – Utopia.de
Mythos 3: Der Lebensmittelhandel darf keine Lebensmittel spenden (bmlrt.gv.at)

Quelle Bild:
Unsplash © Joshua Hoehne

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